Berühmt für seine ganz in blau-weiß gehaltenen Häuser, ist die Medina Chefchaouens die bei weitem hübscheste in ganz Marokko. Gerade so groß, dass man sich praktisch kaum verlaufen kann, aber dennoch groß genug um Raum für Erkundungstouren zu geben, finden sich hier in der Bergmannstraße Marokkos unendlich viele Dinge, die man am liebsten einfach in seine Marry-Poppins-Tasche stecken möchte. In bunten Farben leuchten Stoffe, die überall ausgehängt werden, geben dieser kleinen Bergstadt ihr einzigartiges Flair. Für mich heißt die Stadt auch nur Schuf-schauen (schuf heißt auf arabisch schau/sieh), weil es so viel zu bestaunen gibt.
Die Hotels sind billig wie nirgends sonst und bieten dafür einen Standard der seines gleichen sucht. Saubere europäische Toiletten, warme Duschen, Betten mit sauberen Laken, Strom im Zimmer und das alles für 45 Dh pro Nacht. Für zwanzig Dirham extra gibts morgens ein 1a Frühstück. Hier könnt ich ne Weile bleiben. Auf der Busfahrt habe ich ein tschechisches Pärchen kennen gelernt, mit dem ich auf Entdeckungstour gehe. Weil in Spanien gerade Ferien sind, wimmelt es hier nur so von alternativen Spaniern und alle Hotels, die wir finden, sind voll. Also schlafen wir für 25 Dh auf der hübschen Dachterrasse eines Hotels. Matratzen liegen dort und Schlafsäcke haben wir selbst. Klasse!
Die Tschechen ziehen auf eine fünftägige Trekkingtour durchs Rif-Gebirge, an der ich am ersten Tag bis zum Gipfel auf gut 1700m Höhe teilhabe. Die zu überwindenden 1200 Höhenmeter habe ich hoffnungslos unterschätzt, ich kann gar keinen Eindruck geben, wie hoch das ist, aber stellt euch vielleicht vor, vier Fernsehtürme zu erklimmen. Über vier Stunden dauert der gewaltige Marsch, wobei man nach jeder Stunde Anstieg erneit sicher ist, doch jetzt fast ganz oben zu sein, doch dann wartet hinter der nächsten Kurve nur ein noch höherer Berg. Wie zu erwarten gab es eindrucksvolle Bilder, allerdings befanden wir uns ab ca. 1500m mitten in den Wolken, mit schuf-schuf war es dann aus und noch dazu ergaben die Temperaturen um den Gefrierpunkt und die nasse Luft eine überaus äh… befriedigende Ankunft auf dem Gipfel. Ein australischer Professor, der zufällig (Erwähnte ich schon, dass Marokko ein kleines Land ist?) in Al-Akhawayn Englisch unterrichtet, und seine Frau, die gar nicht erst bis zum Gipfel gewandert sind, versüßen mir den Abstieg.

Die Bevölkerungsdichte in Chefchaouen gibt man am besten in Dealern pro Flächeneinheit an und heraus kommt ein unerwartet hoher Wert. Man braucht das Gras nicht suchen, das Gras findet einen, aber wenigstens verstehen die Dealer ein „Nein, ich rauche nicht“ in so ziemlich allen Sprachen. Der LonelyPlanet schreibt, dass 75% des kultivierbaren Landes östlich von Chefchaouen zum Haschischanbau genutzt werden, aber es ist nicht etwa so, dass man dann unentwegt Grasplantagen sieht, im Gegenteil: Haschischanbau ist auch in Marokko illegal und daher liegen diese Felder immer weit abgeschieden von der Öffentlichkeit, irgendwo hinter den Bergen, außerhalb der Zivilisation und Reichweite der Polizei. Mit unserer Kontaktperson, die uns zu einer solchen Farm führen wollte, ist leider irgendwas schiefgelaufen, daher haben wir eine solche Farm nie zu Gesicht bekommen.
Ansonsten oder gerade eben vielleicht wegen des Kifs, ist Chefchaouen ein perfektes kleines Städtchen, Die kleinen marokkanischen Kinder, die überall in der Medina Fussball, Fangen und Verstecken spielen sind so süß, die möcht man am liebsten auch gleich einpacken und mitnehmen. Meinen letzten Abend verbringe ich mit spanischen Freunden eines Marokkaners den ich kennengelernt habe im Restaurant seines Nachbarn, der übermäßig stolz auf die Präsenz dieses erfolgreichen Familienunternehmens im LonelyPlanet ist. Ein Polizist kommt vorbei, der Spanier dreht sich gerade einen Joint und der Koch meint: Hier verhaften Sie den! Das war natürlich nur Spaß und alle lachen. Er gibt dem Polizisten 20 Dirham für die Taxifahrt zum Alkoholladen um eine Flasche Whisky zu kaufen, denn im Restaurant gibt es gerade nur den Whisky Marocain – Minztee.