Das war’s schon

31. März 2008
Meeresenge von Gibraltar

Mein Urlaub ist zuende. Zu schade aber auch. Der letzte Tag in Rabat war nochmal toll, denn das schufen (schauen) hatte endlich ein Ende und ich konnte meinen Rucksack mit vielen schönen Dingen vollstopfen.
Der Flughafen in Casablanca hat ein neues Terminal und ist jetzt richtig schick, aber viel mehr spannendes gibt es dann doch nicht zu berichten. :P

Hier nochmal eine Zusammenfassung meiner letzten drei Wochen. Bunt und mit anklicken: :)

Und als besonderes Schmankerl gibt’s noch ein erstaunlich realitätsnahes Musikvideo der Chemical Brothers, das im mittleren Atlas und in Marrakesh spielt und obendrein überaus amüsant ist.

Bis zum nächsten Mal. Weit…weit…weg.

Rabat die Zweite

28. März 2008

Meine vier Tage in Rabat sind recht ereignislos. Ich treffe einige Leute wieder, genieße das ruhige Medinaleben, esse morgens Harscha mit Frischkäse, trinke Attei und werde süchtig nach den vielen Laiteries, die man überall in Marokko findet und bei denen man frische Fruchtsäfte oder Milchshakes in allen nur erdenklichen Fruchtkombinationen erhalten kann. Mein Favorit ist ganz klar der Avocadoshake. Zwischendurch besuche ich Salé, die andere, etwas zurückgebliebene Hälfte Rabats, aber da gibt es wirklich nichts spannendes zu sehen.

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Marokko hat zwar viel Küste, aber so wie man sich vielleicht vorstellt, dass ein einziger unendlich langer Sandstrand das Land begrenzt, ist es dann doch nicht. Vielfach ist die Küste felsig und hier in der Gegend von Rabat macht sich meist eine romantische Mondlandschaft mit scharfkantigen Gesteinsformationen breit, ohne die die kommende Generation von Marokkanern wohl zahlenmäßig deutlich geringer ausfallen würde.

Eine sicherlich 40-minütige Busfahrt in einem mindestens 50 Jahre altem Bus ins zehn Minuten entfernte Temara zeigt mir, dass es grantige Busfahrer nicht nur in Berlin gibt. Das Amaturenbrett ist lediglich Dekoration, eine wahllos blinkende Glühbirne neben einem orangenen 60er-Jahre-Kippschalter sind der einzige Zeuge davon, dass eines der Instrumente je funktioniert hat und das Gröhlen des Motors vervollständigt das Antikgefühl.

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Schon seit meinem ersten Besuch in Rabat auf dieser Reise demonstrieren in Rabat täglich hunderte Akademiker, denen von der Regierung Jobs versprochen wurden, die es nun nicht gibt. Friedlich, organisiert, bestimmt und laut singend ziehen sie durch die Straßen und werden nur gelegentlich von den mit Schlagstöcken bewaffneten Polizisten gebeten, doch mal ein paar Autos durchzulassen. Selbst vor dem Gebäude dessen arabischen Schriftzug ich „Burlman“ las, aber wohl „Barlamaan“ hätte vokalisieren müssen, findet sich immer eine Gruppe Protestierender, obwohl Leute vor dem Parlament normalerweise einfach von der Polizei weggeräumt werden; und in den Nachrichten abends Bilder des Königs und jubelnde Menschenmassen.

Essauoira und El-Jadida

23. März 2008
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Es ist mein Geburtstag und ein überaus glücklicher (diesmal jedoch inszenierter) Zufall, dass ich heute in Essaouira auf Kayla und Jill, die ich aus dem letzten Semester noch sehr gut kenne, sowie einige weitere Freunde von ihnen treffe. Am Strand spielen wir Fussball. Der nasse, scharfe Sand ist jedoch suboptimales Spielmedium, aber wir sind ja hart im Nehmen. Das Geburtstagsabendmal, ein riesiges 1×1 der Meereslebewesen, bewegt sich zwischen köstlichen Leckerbissen und ekligen Tentakeln je nach Geschmack etwas hin und her, ist aber die 60 Dh pro Person auf jeden Fall wert. Heiße Schokolade in einem Café und ein unerwarteter Geburtstagskuchen perfektionieren den Abend.
Ausgerechnet an dieser schönen Küstenstadt macht uns das Wetter am nächsten Tag einen Strich durch die Rechnung und statt den sonnigen Strand zu genießen, erfahren wir das geschäftig säubernde Treiben in der Medina deren Wege die ergiebigen Regengüsse mit großen grauen Seen füllen.
Ich hänge hier sehr gern mit den Amerikaner rum. Alle studieren arabisch, was immerhin schon einiges über sie aussagt und darüberhinaus sind sie noch bei weitem weltoffener als die meisten Rucksacktouristen denen ich in der letzten Woche begegnet bin. ich wünschte es gäbe viel mehr solche Leute überall auf der Welt. Am Samstag nehmen wir einen viel zu frühen Bus nach El-Jadida. Die Geschwindigkeit und geringfügig größere Beinfreiheit der teureren CTM-Linie sind jedoch nach den billigen Bussen der letzten Tage ein willkommener Komfortfaktor.

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El-Jadida bietet neben einer alten von portugiesischen Mauern umgebenen Medina und dem bei wärmeren Wetter sicherlich attraktiven Strand praktisch nichts, lebt aber am Abend unerwartet auf und das geschäftige Treiben auf den Straßen verleiht der Stadt dann doch einen gewisses Flair.

Die Reise nach Essaouira

19. März 2008

Nachdem ich den geplanten Aufenthalt in Agadir vorerst übersprungen habe, sollte am Mittwoch das ebenfalls an der Atlantikküste gelegene Essaouira die nächste Station sein. Unglücklicherweise ist am Donnerstag nicht nur mein, sondern auch noch der Geburtstag des Propheten, und für die vier freien Tage flippt Marokko total aus. Mein Bus nach Rabat ist komplett ausgebucht, aber über Umwege komme ich dort am späten Nachmittag doch noch an. Ich hatte ja anfangs etwas Angst vor den billigen lokalen Buslinien, doch da selbst der teurere CTM-Bus manchmal ein wenig dreckig und müffelnd ausfällt und es dann bis auf die wirklich langsame Geschwindigkeit an den billigen Bussen nichts weiter auszusetzen gibt, bin ich doch ganz glücklich. An Zwischenstopps in anderen Städten drängen sich diverse Händler in den Bus, die Schokoladenriegel, belegte Sandwiches, Bananen und alles heilende Wundercreme verkaufen. Zum Mittagsstopp gibts frischen Milchreis, der Service ist spitze. Im verregneten Rabat fährt an diesem Tag nur den Nachtbus nach Essaouira und da ich ohnehin schon unter Schlafentzug leide, entscheide ich mich nur noch mit dem Zug nach Marrakesch zu fahren. Das war allerdings riskant und so mache ich an diesem Abend mit dem vollsten Zug meines Lebens Bekanntschaft. 14 Leute sind wir im Abteil, nirgends im Zug ist mehr Platz, selbst das Gepäck der Leute ist schwer unterzubringen, die Menschen stapeln sich förmlich. Die Infrastruktur Marokkos ist klar an ihre Kapazitätsgrenze gestoßen.

Land des Kif – Chefchaouen

18. März 2008
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Berühmt für seine ganz in blau-weiß gehaltenen Häuser, ist die Medina Chefchaouens die bei weitem hübscheste in ganz Marokko. Gerade so groß, dass man sich praktisch kaum verlaufen kann, aber dennoch groß genug um Raum für Erkundungstouren zu geben, finden sich hier in der Bergmannstraße Marokkos unendlich viele Dinge, die man am liebsten einfach in seine Marry-Poppins-Tasche stecken möchte. In bunten Farben leuchten Stoffe, die überall ausgehängt werden, geben dieser kleinen Bergstadt ihr einzigartiges Flair. Für mich heißt die Stadt auch nur Schuf-schauen (schuf heißt auf arabisch schau/sieh), weil es so viel zu bestaunen gibt.
Die Hotels sind billig wie nirgends sonst und bieten dafür einen Standard der seines gleichen sucht. Saubere europäische Toiletten, warme Duschen, Betten mit sauberen Laken, Strom im Zimmer und das alles für 45 Dh pro Nacht. Für zwanzig Dirham extra gibts morgens ein 1a Frühstück. Hier könnt ich ne Weile bleiben. Auf der Busfahrt habe ich ein tschechisches Pärchen kennen gelernt, mit dem ich auf Entdeckungstour gehe. Weil in Spanien gerade Ferien sind, wimmelt es hier nur so von alternativen Spaniern und alle Hotels, die wir finden, sind voll. Also schlafen wir für 25 Dh auf der hübschen Dachterrasse eines Hotels. Matratzen liegen dort und Schlafsäcke haben wir selbst. Klasse!

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Die Tschechen ziehen auf eine fünftägige Trekkingtour durchs Rif-Gebirge, an der ich am ersten Tag bis zum Gipfel auf gut 1700m Höhe teilhabe. Die zu überwindenden 1200 Höhenmeter habe ich hoffnungslos unterschätzt, ich kann gar keinen Eindruck geben, wie hoch das ist, aber stellt euch vielleicht vor, vier Fernsehtürme zu erklimmen. Über vier Stunden dauert der gewaltige Marsch, wobei man nach jeder Stunde Anstieg erneit sicher ist, doch jetzt fast ganz oben zu sein, doch dann wartet hinter der nächsten Kurve nur ein noch höherer Berg. Wie zu erwarten gab es eindrucksvolle Bilder, allerdings befanden wir uns ab ca. 1500m mitten in den Wolken, mit schuf-schuf war es dann aus und noch dazu ergaben die Temperaturen um den Gefrierpunkt und die nasse Luft eine überaus äh… befriedigende Ankunft auf dem Gipfel. Ein australischer Professor, der zufällig (Erwähnte ich schon, dass Marokko ein kleines Land ist?) in Al-Akhawayn Englisch unterrichtet, und seine Frau, die gar nicht erst bis zum Gipfel gewandert sind, versüßen mir den Abstieg.

Die Bevölkerungsdichte in Chefchaouen gibt man am besten in Dealern pro Flächeneinheit an und heraus kommt ein unerwartet hoher Wert. Man braucht das Gras nicht suchen, das Gras findet einen, aber wenigstens verstehen die Dealer ein „Nein, ich rauche nicht“ in so ziemlich allen Sprachen. Der LonelyPlanet schreibt, dass 75% des kultivierbaren Landes östlich von Chefchaouen zum Haschischanbau genutzt werden, aber es ist nicht etwa so, dass man dann unentwegt Grasplantagen sieht, im Gegenteil: Haschischanbau ist auch in Marokko illegal und daher liegen diese Felder immer weit abgeschieden von der Öffentlichkeit, irgendwo hinter den Bergen, außerhalb der Zivilisation und Reichweite der Polizei. Mit unserer Kontaktperson, die uns zu einer solchen Farm führen wollte, ist leider irgendwas schiefgelaufen, daher haben wir eine solche Farm nie zu Gesicht bekommen.
Ansonsten oder gerade eben vielleicht wegen des Kifs, ist Chefchaouen ein perfektes kleines Städtchen, Die kleinen marokkanischen Kinder, die überall in der Medina Fussball, Fangen und Verstecken spielen sind so süß, die möcht man am liebsten auch gleich einpacken und mitnehmen. Meinen letzten Abend verbringe ich mit spanischen Freunden eines Marokkaners den ich kennengelernt habe im Restaurant seines Nachbarn, der übermäßig stolz auf die Präsenz dieses erfolgreichen Familienunternehmens im LonelyPlanet ist. Ein Polizist kommt vorbei, der Spanier dreht sich gerade einen Joint und der Koch meint: Hier verhaften Sie den! Das war natürlich nur Spaß und alle lachen. Er gibt dem Polizisten 20 Dirham für die Taxifahrt zum Alkoholladen um eine Flasche Whisky zu kaufen, denn im Restaurant gibt es gerade nur den Whisky Marocain – Minztee.