Rabat die Zweite
Meine vier Tage in Rabat sind recht ereignislos. Ich treffe einige Leute wieder, genieße das ruhige Medinaleben, esse morgens Harscha mit Frischkäse, trinke Attei und werde süchtig nach den vielen Laiteries, die man überall in Marokko findet und bei denen man frische Fruchtsäfte oder Milchshakes in allen nur erdenklichen Fruchtkombinationen erhalten kann. Mein Favorit ist ganz klar der Avocadoshake. Zwischendurch besuche ich Salé, die andere, etwas zurückgebliebene Hälfte Rabats, aber da gibt es wirklich nichts spannendes zu sehen.
Marokko hat zwar viel Küste, aber so wie man sich vielleicht vorstellt, dass ein einziger unendlich langer Sandstrand das Land begrenzt, ist es dann doch nicht. Vielfach ist die Küste felsig und hier in der Gegend von Rabat macht sich meist eine romantische Mondlandschaft mit scharfkantigen Gesteinsformationen breit, ohne die die kommende Generation von Marokkanern wohl zahlenmäßig deutlich geringer ausfallen würde.
Eine sicherlich 40-minütige Busfahrt in einem mindestens 50 Jahre altem Bus ins zehn Minuten entfernte Temara zeigt mir, dass es grantige Busfahrer nicht nur in Berlin gibt. Das Amaturenbrett ist lediglich Dekoration, eine wahllos blinkende Glühbirne neben einem orangenen 60er-Jahre-Kippschalter sind der einzige Zeuge davon, dass eines der Instrumente je funktioniert hat und das Gröhlen des Motors vervollständigt das Antikgefühl.
Schon seit meinem ersten Besuch in Rabat auf dieser Reise demonstrieren in Rabat täglich hunderte Akademiker, denen von der Regierung Jobs versprochen wurden, die es nun nicht gibt. Friedlich, organisiert, bestimmt und laut singend ziehen sie durch die Straßen und werden nur gelegentlich von den mit Schlagstöcken bewaffneten Polizisten gebeten, doch mal ein paar Autos durchzulassen. Selbst vor dem Gebäude dessen arabischen Schriftzug ich „Burlman“ las, aber wohl „Barlamaan“ hätte vokalisieren müssen, findet sich immer eine Gruppe Protestierender, obwohl Leute vor dem Parlament normalerweise einfach von der Polizei weggeräumt werden; und in den Nachrichten abends Bilder des Königs und jubelnde Menschenmassen.