Aid mubarak Marrakech
Ramadan ist vorbei. Endlich. Und das muss natürlich gefeiert werden, mit dem aid al fit’r — dem kleinen Fest. Hier sind deswegen Ferien und der Campus ist praktisch leergefegt. Jeder fährt zur Familie und Austauschstudenten gehen auf Reisen. Die meisten in Marocco, viele nach Spanien und ein paar sogar bis nach Deutschland. Während bei Damaris Ramadan hauptsächlich stressig war, war das hier recht angenehm. Man hat abends meist gemeinsam F’tor, was einem großen Picknick ähnelt und das Leben verlagert sich stark in die Nacht, was dann aber doch irgendwie im Konflikt zum normalen Unileben steht. Und viele beklagen, dass der Spirit hier gar nicht so recht aufkommt und Ramadan mit der Familie ganz anders ist. Vom Fest selbst bekam ich leider kaum was mit, hab also ganz und gar nicht den schönen Eindruck bekommen den Damaris beschrieben hat. Schade.
Ich war ja dank meiner Klausur etwas später dran als die anderen, machte mich am frühen Abend auf nach Fès, kam dort zur F’tor-Zeit an, wurde von wildfremden Leuten, die gerade mit dem Essen begonnen hatten, eingeladen mitzuessen und tat das auch. Wir redeten arabisch so gut es ging
Später französisch und noch später stellte sich raus, dass alle englisch konnten (einer immitierte sogar einen perfekten britischen Akzent) obwohl sie gegenteiliges vorher ziemlich glaubhaft gemacht hatten. Aber im Reinlegen sind sie ohnehin gut, denn nach ner Weile fand ich auch heraus, dass sie mir nicht ihre echten Namen sondern Schimpfwörter genannt hatte und lachten sich jedes Mal krank wenn ich einen der Namen sagte. Der marokkanische Humor ist sicherlich gewöhnungsbedürftig, aber ich komm damit klar. Wir rechnen mit dem failure in communication und wenns denn mal passiert ists nie schlimm. Für Amüsement sorgten auch meine unzureichend geübten Arabischkenntnisse, denn ab und zu passiert es mir, dass ich die Form eines Verbs benutze, die verwendet wird um eine weibliche Person anzureden, obwohl ich mit einem Mann spreche, was bis auf die adressierte Person dann aber alle sehr lustig fanden. Fürs Essen durfte ich im übrigen nicht bezahlen, gastfreundlich sind Marokkaner allemal, wobei man als Tourist trotzdem überall erwarten sollte abgezockt zu werden.
Nachdem mir geraten wurde, wegen dem Aid lieber nicht zu versuchen, den vermutlich überfüllten Zug zu nehmen, nahm ich den Nachtbus, der über Ifrane und Azrou fuhr, um dann 10h später morgens um 5:45 Uhr in Marrakech anzukommen. Der Spaß kostete mich knapp 14Euro, plus 50cent fürs Gepäck. Der Busbahnhof ähnelt dabei eher einem Flughafen, nur dass die Sicherheitskontrollen fehlen. Gepäck einchecken muss man aber trotzdem.
Ursprünglich wollt ich gleich weiter nach Imlil um dort mit den anderen aufzuschließen, die zum Toubkal wollten. Daraus wurde allerdings nichts. Es ist aid und kein Taxifahrer wollte mich für unter 50Euro ins 1.5h entfernt Dörfchen bringen. Nachdem ich mich dann in der Medina verirrt hab, in einem Park ein kleines Nickerchen hatte (konnte im Bus nicht allzugut schlafen), hab ich mich also mit anderen Leuten getroffen die zufällig auch in Marrakech waren und ein bisschen Sightseeing gestartet. Der big red fun bus war dabei ganz hilfreich. Touristischer Preis, aber gut, wenn man überhaupt keinen Plan hat, so wie wir
Koutuba, Jamaa al Fna, Paläste, Ruinen, Gefängnis, das Royal Theatre… — viel gab es zu sehen.
Am Jamaa al Fna, dem großen zentralen Platz Marrakechs, ist abends Partystimmung. Eine vielzahl von Straßenkünstlern, Magiern, Dompteuren und Musikern unterhalten das Publikum. Als Tourist muss man vorsichtig sein, zuschauen ohne zuzusehen, denn sonst wird man sofort gebeten zu bezahlen oder wird in die Show eingespannt und muss dann auch bezahlen. Ein paar Meter weiter gibt es zig Stände, die Gewürztee (schaaaarf), lebkuchenähnliches Gebäck, Schnecken, getrocknete Früchte und vieles mehr zum Verzehr bieten. 5 Meter weiter finden sich dann die Restaurantstände, deren Besitzer (relativ aufdringlich) um Kunden buhlen. Essen ist super und auch nicht teuer. Rund um den Platz finden sich Stände die frisch gepressten Orangensaft verkaufen. Für 3 Dirham also knapp 30cent. Lecker sag ich euch
Wenn man nicht aufpasst und einfach von 3MAD ausgeht, trinkt und bezahlen will kanns aber vorkommen, dass man dann plötzlich 10MAD bezahlen muss. Naja Lektion gelernt, jetzt fragt man halt vorher. Wenn der am Stand dann 5 Dirham sagt, sagt man 3 auf marokkanisch und passt. Brian hats sogar geschafft einen für 2 Dirham zu bekommen, in dem er ein bisschen diskutierte und behauptete beim anderen Stand habe er nur zwei bezahlt.
Abzuzocken versucht einen hier jeder. Dreiste Taschendiebe haben es (zum glück nur erfolglos) versucht. Wenn man als Tourist Taxi fahren will, gehen plötzlich die Taxmeter nicht und wenn man drauf besteht, fährt das Taxi einfach weg. Die Preise, die die Taxifahrer haben wollen sind exorbitant. Für eine Strecke die vielleicht 7 Dirham kostet, wollen sie für 3 Personen 40. Wenn man das verhandeln dann auf arabisch macht, kommt man dann aber meist noch halbwegs gut bei weg. Für eine Strecke zum Busbahnhof die 15 Dirham wert ist, wollte ein Taxifahrer 40, ich hab gesagt 10, er meinte nein, ich geh weg er ruft mich zurück meint 20, ich sag “15 und nicht mehr!” und hab meinen Deal
Ehrlich gesagt macht das teilweise richtig Spaß.
Weniger Spaß hatte Chris, der für ein paar Bilder mit dem Affen glatte 100 Dirham geblecht hat.
Nachdem wir in Marrakech praktisch alles gesehen hatten, hab ich vorgeschlagen, nun doch wenigstens einen Tagesausflug in die Berge zu machen. Ziel ist also Ourika Valley das für seine Wasserfälle bekannt ist und damit beliebtes Ausflugsziel für Touristen. Es ist aber angenehm und nicht so überladen wie Marrakech. Nach längerem Feilschen mit dem Taxifahrer (von 700 Dirham, wobei der normale Preis 150 wäre) kommen wir für 200 Dirham also knapp 20 Euro nach Ourika Valley, essen Pizza, trinken Cola und bewundern, dass selbst in den scheinbar abgelegsten Orten der Welt Werbetafeln von Coca Cola zu finden sind. Good Job.
Es ist anstrengend für uns andauernd Führer zu den Wasserfällen abzuwimmeln. Angeblich sieht man nix, wenn man ohne Führer geht. Pustekuchen. Großartige Bilder. Schon die Hinfahrt war überwältigend. Die riesigen Berge die steil aufsteigen, wow. Wir sehen den ersten von 7 Wasserfällen, klettern hoch um den zweiten zusehen. Das war mörderisch. Von unten sah die Wand nicht so steil aus, aber als man dann da war hatte man ein anderes Bild. Spencer verlor den Linsenschutz seiner Kamera, aber das war ein guter Preis dafür, nicht selbst abzustürzen.
Nicht ganz so steil, aber weiterhin anspruchsvoll gehts weiter. Die Bilder entlohnen für all die Strapazen.
Zurück gehts für nur 100 Dirham (wir teilen uns das Taxi mit zwei weiteren Marokkanern) nach Marrakech. Papa und Walter kommen abends um halb 10 an, wir essen am Jamaa al Fna, doch schon bald muss ich los um mit dem Mitternachtsbus zurück nach Ifrane zu fahren.
Der hat aber nur noch 4 freie Plätze und wir sind sechs Personen. Spencer und ich bleiben also in Marrakech übernachten in Papas Hotel und nehmen am nächsten Morgen dann den Bus, der uns noch einmal schöne Bilder beschert. Das bezahlte ich aber mit 2h Verspätung, Übelkeit dank der Fahrweise des Busses und später einem unangenehmen Gestank, der sich aus der Übelkeite eines anderen Fahrgastes entwickelte.
Nichtsdestoweniger war das Wochenende offensichtlich großartig. Trotzdem sind wir froh, wieder in Ifrane zu sein und all unsere Freunde hier wieder zu sehen.
Hunderte weitere Bilder gibts wieder in der Galerie.
Am 19. Oktober 2007 um 11:33 Uhr
Hallo Hagen,
ich beneide dich um deine eindrucksvollen Erlebnisse. Ich freu mich immer, Neuigkeiten von dir zu lesen! Viel Spaß weiterhin!
Marie