Meknes – die alte Hauptstadt Marokkos
Weil am Freitag wegen der Parlamentswahl praktisch ein Feiertag war, sind die meisten der Austauschstudenten zu einen mehrtätigen Trip (meist nach Tangier oder Marakesch) aufgebrochen. Ich habe viel zu tun, noch genug Zeit Marokko zu sehen und keine Lust auf eine 6-10 stündige Zugfahrt. Der Campus ist praktisch leer, denn auch die marokkanischen Studenten nutzen die Gelegenheit um nach Hause (bzw. in ihren Wahlkreis) zu fahren. Ich wollte nun auch nicht das ganze Wochenende hier vergammeln, also beschloss ich mit einem anderen Austauschstudent nach Meknes zu fahren, der am besagten Morgen aber absagte, weil er über Nacht krank wurde, genau wie ich damals. (Ich empfehle daher allen Marokkoreisenden sich vorsorglich mit Medizin gegen Durchfall und Bauchschmerzen auszurüsten und am zumindest anfangs die Finger vom Leitungswasser zu lassen.) Ich fuhr dann aber trotzdem.
Also auf in ein Grand Taxi und ab nach Meknes. Gut 1h Stunde Fahrt, ziemlich unbequem, 2.50€.
Dann plötzlich in der Stadt, kein Plan was wie wo. Die ersten Gedanken die ich habe sind: wuä, was ist das für ein hässlicher Ort, man ist das dreckig hier und teilweise stinkts bestialisch, insbesondere die Autoabgase sind sehr unangenehm. Dann habe ich Nick getroffen, der schon einen Tag vorher in Meknes angekommen ist und dann beim Onkel von Redhair-Myriam übernachtet hat. Weil hier jedes dritte Mädchen Myriam heißt, habe ich beschlossen Nicknames zu vergeben
Damit müssen sie jetzt leben, dafür heiße ich jetzt immer öfter Hagoune.
Wir bleiben kurz bei Onkel und Tante, steigen aufs Dach und bewundern die Aussicht, bevor wir aufbrechen, die Stadt zu erkunden.
Die Altstadt (old medina) ist umgeben von einer großen Mauer und hat einige schöne Tore. Wir schlendern etwas durch den Markt. Jedes 3. Geschäft verkauft Rucksäcke und Schulranzen. Offensichtlich steht der Schulbeginn kurz bevor. Weil ich mich unwohl fühle immer Fotos zu machen, lass ich die Kamera drin und beschränke mich aufs zusehen. Die Gassen in der old medina sind sehr eng, wenn Mopeds vorbeidrängeln stinkt es, aber das tut es manchmal auch aus anderen Gründen. Immer wieder trifft man auf Esel, die verschiedenste Güter transportieren. Die kleinen Geschäfte in den Gassen wirken dreckig, die Fleischhändler machen mir Angst und ich frage mich wo ich hier etwas zu essen bekommen kann ohne sicher sein zu können, davon krank zu werden.
Um von Ort zu Ort zu kommen fahren wir Taxi, das ist hier spottbillig und ersetzt jede andere Form des Nahverkehrs (wobei es auch Busse gibt). Für die längste Strecke die wir zurücklegen, müssen wir knapp einen Euro bezahlen. Später treffen wir (redhair) Myriam, schlendern erneut durch die old medina und sehen uns die Eisenhandwerker an. Die große Moschee ist leider geschlossen. Die weibliche Form des marokkanischen Wortes für Moschee (جامع) bedeutet interessanterweise Universität. Neben der Moschee befindet sich eine Koranschule die wir für einen Euro je Person besichtigen.
Der Innenhof ist reichlich verziert und es ist unglaublich, wie die Kalligraphen in den sehr symmetrischen Mustern Suren des Koran untergebracht haben. Selbst Myriam kann die Kalligraphie kaum lesen. Die besten Schüler der Schule durften dort auch wohnen und wurden in kleine dunkle Zimmer eingesperrt.
Wir schlendern durch die Marktgassen, betrachten und kaufen Kunsthandwerk. Ich übe mich im feilschen und kaufe einen schönen Berberteppich, für den der Händler ursprünglich rund 45€ wollte, am Ende für knapp 20€ und bin im Gegensatz zum Händler, dem ich gute Mundpropaganda versprochen habe, sehr zufrieden.
Mittem im Gedränge der Marktgassen spricht mich ein Marokkaner an und möchte gerne 9 EUR in Münzen gegen Dirham tauschen, weil die Bank keine Münzen nimmt. Da der Kurs (10 Dirham zu 1 Euro) besser war als der offizielle (11:1) dacht ich mhh ok machen wirs halt. Gut dass ich die Münzen (1 und 2 Euro Stück) vorher in der Hand hatte, denn obwohl sie optisch nicht von Euros zu unterscheidenen waren, waren sie etwas zu leicht. Nochmal Schwein gehabt.
Wir besichtigen noch einige andere Sehenswürdigkeiten. U.a. eine riesige unterirdische Anlage die ein grauenvolles Gefägnis darstellt in dem 60.000 Rebellen (davon 40.000 Christen) ohne Licht, Wasser und Essen gefangen gehalten wurden.
Keine 200m weiter befindet sich (mitten in der Stadt) eine große Golfanlage, wieder umgeben von Mauern. Nick bemerkt treffend, dass in der old medina alles so klein und eng ist, damit genug Platz für den Goldplatz nebenan ist ![]()
Katzen sind in Meknes (als auch in Ifrane) allgegenwärtig, klein, schauen manchmal sehr zerzaust und gelegentlich auch richtig böse aus. Daher gibt es viele Marokkaner(innen) die eine regelrechte Angst vor Katzen haben.
Später sitzen wir in einem Café mit hervoragender Aussicht, trinken einen Tee und beobachten den Sonnenuntergang über Meknes. Auf dem Foto sieht man den begehbaren Teil des Gefägnisses von oben. Die vielen Löcher sind später entstanden damit man dadrinnen auch etwas sehen kann. Es gibt aber auch Bereiche in denen es stockduster ist. Man kann sich leicht verlaufen und es ist absolut unheimlich.
Wenig später treten Nick und ich die Heimreise an. Wieder in einem Grand Taxi, diesmal auf der Rückbank und irgendwie bequemer. Es wird sehr schnell dunkel, die Dämmerung ist hier vergleichweise kurz und schnell sieht man die Sterne, die wie Damaris ja auch schon geschrieben hat, hier im Gebirge in Afrika einfach so viel anders, klarer und detailreicher ist.
Irgendwie ist dieser Eintrag jetzt ziemlich lang geworden. Sorry für die vielen Details.
Nun ja, alles in allem hat sich mein Eindruck von Meknes total umgedreht. Objektiv ist es immer noch eine dreckige Stadt, aber man gewinnt sie sehr schnell lieb, bekommt viele wundervolle Dinge zu sehen und fährt mit einem überaus positiven Gefühl nach Hause.
Am 9. September 2007 um 20:43 Uhr
Danke für die Eindrücke von Meknes. So so sieht man Land und Leute mit anderen Augen, als durch die Tagesschau.
Kannst Du Dir erklären, warum nur 37 % zur Wahl gingen. Da haben wir in Deutschland noch etwas aufzuholen.
Am 9. September 2007 um 21:36 Uhr
Was ich zumindest von den jungen Leuten gehört habe, ist das einige halt der Meinung sind (und das gibts in Deutschland ja genauso), dass die Parteien doch ohnehin alle das gleiche machen und Wählen keinen Unterschied macht. Andere geben zu, einfach kein Wissen über die Parteien zu haben, sie kennen die Programme nicht und möchten nicht mit Unwissen eine Wahl treffen.
Am 10. September 2007 um 23:19 Uhr
toller Bericht, kann ein professioneller Reiseführer nicht besser machen,
hast du Nick zufällig getroffen oder hattet ihr euch in Meknes verabredet?
Hast du dann noch etwas zu essen bekommen, was vertrauenswürdig aussah?
Wo kann man denn mit gutem Gewissen etwas essen, merkt man das nur am Preis?
Am 10. September 2007 um 23:52 Uhr
Wir sind dann in die medina jadida (die Neustadt) gegangen und haben dort ein Restaurant besucht. Ich glaub man darf einfach nicht hinsehen, ich meine die Besitzer des Restaurants kaufen das Fleisch schließlich auch irgendwo von daher naja
Ich glaub preislich macht das keinen Unterschied. Leckere Tajine gibts ab 3 Euro. Baguette und Wasser ist beim Essen immer gratis dabei (oder max. 30cent extra).
Mir gehts ja inzwischen auch besser, ich glaub unser Immunsystem ist einfach nur zu sehr verwöhnt, aber wofür haben wirs schließlich sonst.
Heute hab ich in Ifrane nen Hamburger gegessen, einfach nicht zuschauen wie das Essen zubereitet wird, dann passt das schon
Nick und ich haben uns in Meknes zusammentelefoniert, ich wusste dass er da ist und er wusste dass ich komme
Am 11. September 2007 um 23:52 Uhr
Wie ist denn die Geschichte mit dem Marokkoner ausgegangen, dem du Geld wechseln solltest? Hast du ihn drauf angesprochen, dass das Falschgeld ist oder es einfach gelassen?
Kann man sich hier in good-old germany gar nicht vorstellen, dass Städte so aussehen..
Am 12. September 2007 um 13:33 Uhr
Ich meinte ganz verschreckt zu ihm und laut so dass es alle im Umkreis hören konnten: “oh no, this is false money!” und bin meines Weges gegangen während er noch versucht sich rauszureden “no, no, this is not false money”…
Sachen gibs…
Am 14. September 2007 um 20:16 Uhr
Nochmal zur Wahl: Ich bin gerade über den ersten ausführlichen Bericht zur Wahl in Marokko in der deutschen Presse gestolpert und wollte das nicht vorenthalten.
Am 26. Mai 2009 um 17:38 Uhr
meine stadtttttttttttt meknes is einfach nur hammerrrrrrrrrrrrrrrrrrr ilove marokko and meknes
:)