Sand soweit das Auge reicht
Ein paar Leuten hatte ich ja schon geschrieben, dass ich mich inzwischen mit Marokko vertraut fühle und mich praktisch nichts mehr überraschen kann. Ich sollte anders lernen. Und weil das letzte Wochenende so eindrucksvoll war, wird das jetzt etwas länger, aber das seid ihr ja gewohnt
Das Wochenende begann Freitag abend mit einer sieben-stündigen Nachtbusreise von Meknès gen Osten durch die nördlichen Ausläufe des Atlasgebirges. Ankunft morgens kurz vor Sonnenaufgang in Erfoud, ein Stück weiter östlich der größeren Stadt Er-Rachidia. Prompt wird unsere zehn Mann starke Reisegruppe von einem netten Marokkaner empfangen, der uns ein Grand Taxi nach Merzouga dem eigentlichen Ziel unserer Reise besorgen möchte. Das dauert ein bisschen, währenddessen werden wir auf einen Tee eingeladen, den wir in unserem mehr als unausgeschlafenen Zustand bitter nötig haben.
Nicht lange nach dem ersehnten, Wärme bringenden Sonnenaufgang kommen die Taxis und wir begeben uns in mir bis dato absolut unbekannte Landschaftsformationen am Rand der Wüste. Die Erde ist in viele beckenartige Bereiche (teils weit größer als auf dem Bild) eingeteilt, um das Wasser nicht wegfließen zu lassen, denn vor einigen Jahren haben hier heftige Niederschläge durch die entstehenden Fluten riesige Schäden angerichtet. Alles ist auf die maximale Ausnutzung der knappen Wasserressourcen ausgelegt. Wir fahren durch einen Palmenwald und etwas später durch dürres Land. Hin und wieder überquert die Straße ein sich metertief in den Boden gegrabenes Wadi. Auf einer kleinen Sandstraße abseits des asphaltierten Weges ist ein Auto steckengeblieben. Mit vereinten Kräften befreien wir es.
Ein Marokkaner, der mit dem netten Herrn, der uns den Tee spendiert hat und die Taxis gerufen hat, unter einer Decke zu stecken scheint, führt unsere Taxis dann nicht direkt nach Merzouga sondern nach Hassi Labied was aber auch nahe liegt. Wie fast zu erwarten war ist das vorläufige Ende unserer Reise seine Auberge. Es folgen ziemlich genau zwei Stunden des Verhandelns über den Preis für unseren Wüstentrip. Wir holen Angebote bei anderen Touristenführern in der Gegend ein und nach einem schier endlosen Hin- und Her bekommen wir unseren Trip mit drei Mahlzeiten für 300 Dh pro Person, was ein klein wenig unter der unteren Grenze liegt, die der Lonely Planet angibt.
Die Kamele lassen sich etwas Zeit, aber das stört angesichts der Tatsache, dass es hier eine Oase mit einem beeindruckenden Bewässerungssystem gibt und wir uns noch mit Wasser eindecken müssen, nicht weiter. Ich esse soweit ich mich erinnern kann, meine erste frische Paprika (war aber mehr eine Peperoni) und erfreue mich für die nächsten Stunden einer brennenden Zunge. Ich decke mich noch schnell mit einem billigen Turban ein. Eine Investition die sich als überaus sinnvoll erweisen sollte.
Zeit die Kamele zu satteln. Eigentlich ja Dromedare, aber das Wort haben die meisten meiner Amerikanischen Freunde hier noch nie gehört. Von daher bleiben wir bei Camel.
Es folgen anderthalb unangenehme und zugleich atemberaubend beeindruckende Stunden auf dem Rücken eines Kamels. Es ist genau wie auf den Bildern die man aus der Sahara kennt. Nur besser! Glücklicherweise reisen wir im November und es ist mit knapp 30°C recht angenehm.
Endlich an unserer “Oase” angekommen, ziehen wir barfuß durch die Dünen und erklimmen eine der höchsten im weiten Umkreis (Bild rechts). Von unten sieht die Düne recht harmlos aus, aber nach endlosen Anstieg offenbart sich die wahre Größe dieser mehreren hundert Meter hohen Düne. Die Aussicht belohnt für die Mühe und ist einfach nur sagenhaft.
Doch der Spaß hört nicht auf. An dieser steilen Düne kann man im Sand runtersliden bzw. schwimmen. Sand überall haben wir eh schon, von daher geht’s auf ins Vergnügen ![]()
Unser Camp hat auch ein Snowboard, aber schnell stellt sich raus, dass Snowboarden im Sand nicht so das Wahre ist. Man kann praktisch nicht lenken, aber eine Düne mit einem Board herunterzubrausen macht, abgesehen vom obligatorischen trocken-fröhlichen Sand fressen am Ende der Fahrt, durchaus Spaß. Aber mangels Lift hat man auch vom Boarden sehr schnell genug.
Es folgt ein wüstiger und ziemlich flotter Sonnenuntergang und schnell wird es stockduster. Nach einer Tajine der ein wenig Salz und Gewürze nicht geschadet hätten, bereiten unsere drei Begleiter ein kleines Lagerfeuer vor, an dem wir alle sitzen, trommeln, singen und Witze hören. Die Berber sprechen nicht viel mehr arabisch als wir, aber halbwegs verständliches Englisch und natürlich Französisch. Die Witze erzählen sie also auf französisch und mit vereinten Kräften entschlüsseln wir dann die Bedeutung.
- Wie bringt man ein Dromedar in drei Schritten in einen Kühlschrank?
- Kühlschrank auf, Dromedar rein, Kühlschrank zu.
(markiert den Text ums zu lesen)- Wir bringt man einen Elefant in vier Schritten in einen Kühlschrank?
- Kühlschrank auf, Dromedar raus, Elefant rein, Kühlschrank zu.
- Wer ist der König der Tiere? Der Löwe natürlich. Also gut, der Löwe macht eine Party und lädt alle Tiere ein. Es kommen auch alle, bis auf eins. Welches und warum?
- Der Elefant kommt nicht, er ist doch im Kühlschrank.
- … und so geht das noch laaange weiter …
Wir wussten es würde kalt werden. Wir waren vorbereitet. Viele Schichten an Kleidung, Mütze, Schal. Wolldecken gabs es auch im Zelt. Trotzdem wären wir vor Kälte fast erfroren, als die Wüste im Verlauf der Nacht immer kälter wurde. Ein kleiner Run durch die nächtliche Sahara war ziemlich beängstigend, weil es stockfinster war und ich Dank Horrorgeschichten über Skorpione auf eine Begegnung mit einem bösen Tier geprimed worden war.
Ihr könnt euch sicherlich denken, wie eindrucksvoll der Sternhimmel mitten in der Sahara sein muss. Ich sage euch, es übertrifft die Erwartungen. Neben zahlreichen Sternschnuppen konnte ich zum ersten Mal in meiner Erinnerung die Milchstraße eindeutig sehen. Wooow.
Aufgrund der Kälte kann ohnehin keiner richtig gut schlafen und Sonnenaufgang in der Sahara hat auch etwas obligatorisches. Die Sonne lässt sich Zeit, wir wandern alle zu verschiedenen Dünen, was von oben betrachtet dann sehr lustig aussah und freuen uns einmal mehr über unseren wärmespendenden Stern.
Der Rückritt war, wenn man nicht gerade auf Jimmy Hendrix (dem weißen Kamel) saß, gerade für die Männer eine einzige Tortur, die nach qualvollen 1.5 Stunden mit einem feinen Frühstück und einer Duschmöglichkeit belohnt wurde.
Der Rest des Tages erklärt sich hauptsächlich durch den Begriff Netzwerk. Unser Herbergsvater organisiert Grand Taxis ins nahegelegene Rissani, wo wir weil Markttag ist, den Souk besuchen wollen. Er kommt mit, trifft dort einen Freund, der uns nicht mehr aus den Augen lässt und führt uns ein bisschen herum. Alles in allem ja ganz nett, aber es engt einen doch auch sehr ein, wenn man lieber unabhängig auf eigene Faust schauen möchte. Im Souk ist es für uns schrecklich. Überall kommen bettelnde Kinder an. Erst wollen sie Geld, dann Bonbons und dann Stifte. Und sie verfolgen einen woimmer man dann hingeht. Ich bin froh, eine Gruppe von Ihnen mit einer Wasserflasche glücklich machen zu können.
Unser ortskundiger Führer “empfiehlt” uns (will heißen führt uns in) ein Restaurant in dem wir zwar nichts essen, aber einen guten Bananenshake bekommen. Der Inhaber kennt natürlich einen Professor an der Al-Akhawayn-Universität. Wir könnten für die Rückfahrt bis zum Abend warten und einen mehr oder minder guten Bus nehmen und uns dann nachts noch irgendwie von Azrou nach Ifrane durchschlagen oder uns von unserem “Freund” ein Taxi für 900 Dh (für 5 Personen) besorgen lassen. Der Restaurantinhaber hat natürlich einen “Bruder” der auch Taxifahrer ist und macht uns das selbe Angebot. Für 800 Dh nehmen wir schließlich das Taxi
Bei Tag zu fahren hat den Vorteil diesmal mehr von der Landschaft mitzubekommen. Wir bitten den Taxifahrer in Midelt zu halten, damit wir etwas Essen fassen können, er meint Midelt sei nicht gut und ein paar Kilometer weiter sei es besser. Wir glauben das natürlich und befinden uns eine halbe Stunde später in einem verräucherten Etwas, das man kaum als Restaurant bezeichnen kann, mit einer der schlimmsten stinkenden Toiletten die wir je erlebt haben und einem Speisenangebot, das praktisch nichts anbietet. Alternativen im Dorf gibts es nicht, zumindest keine bessere und nur wenig später mit nicht fertig gekochtem Hühnchen auf den Tellern blicken wir auf und erleben einen Moment der Erleuchtung, denn endlich ist es ganz klar passiert: Wir haben den Kulturschock.
Doch all der unangenehmen Moment am Ende des Wochenendes zum Trotz war dieser Ausflug großartig und die Erfahrung definitiv all die Strapazen wert. Und wer noch mehr Bilder sehen will tut das am besten im Sahara-Album
Heute ist der German Day, der hier absolut besonders ist. Es kommen u.a. der italienische, der deutsche Botschafter, der International Programm Coordinator meiner Universität und neben vielem Programm und einer Deutschlandausstellung gibt es abends eine Opernshow und auch der Chor wird ein paar Liederchen trällern.




Am 25. November 2007 um 00:17 Uhr
wirklich faszinierende Bilder aus der Wüste, muss ja wirklich sehr eindrucksvoll gewesen sein und ihr habt nicht den kleinen Prinzen zufällig getroffen?
nach solch einem WE sehnt ihr euch sicher wieder sehr nach der Geborgenheit auf dem Campus und ich bin immer froh, wenn dein Bericht im Blog steht und wir wissen, daß ihr gesund von euren Abenteuern zurückgekehrt seid