Safi

Hagen Crazy Head

Nachdem ich damals die fixe Idee hatte, dass man doch ein Auslandssemester in Marokko machen könnte und dies dann meiner Freudin Madeleine im Arabischkurs erzählte, meinte sie gleich, ich sollte aufpassen, denn dort gibt’s kein Klopapier und keine Heizung. Nun ja, wo ich jetzt ein paar Tage zurück bin stellt sich heraus, dass genau diese beiden Dinge die (materiellen) Dinge sind, die hier in Deutschland wirklich angenehmer sind. Endlich wieder warme Wohnungen und endlich kein Zwang mehr immer Toilettenpapier im Handgepäck zu haben.
Nun ja, so ganz stimmt das natürlich nicht. Das deutsche Essen ist natürlich auch wieder schön zu haben und viele andere Kleinigkeiten (Bier hatte ich jetzt noch nicht :P ). Aber wenn ich ehrlich bin, gab es kaum etwas an Deutschland, was ich wirklich vermisst habe. Alles ist hier komfortabler, schicke Züge und so, aber das hat auch alles seinen Preis und als armer Student bevorzugt man dann doch den D-Zug für 15 Euro gegenüber dem ICE für 50. Ich weiß, so recht vergleichen kann man das nicht, aber ihr bekommt die Idee.

Snow in Berlin

Ich bin also vor ein paar Tagen in Deutschland gut angekommen, hatte meinen Spaß mit den Zollbeamten nachdem ich es für eine gute Idee hielt, aufgrund des kalten Wetters meinen Turban aufzusetzen und nahm nach sechs Stunden Mit-Amerikanern-In-Der-Bahnhofsmission-Karten-Spielen den wirklich schicken, gemütlichen ICE nach Berlin. Kurzum, ich bin gut angekommen. Es soll übrigens in besagter Nacht in Ifrane geschneit haben und jetzt liegen ja auch hier in Berlin um die 2mm Schnee.

Wie ich so darüber nachdenke, waren meine letzten Tage nochmal recht ereignisreich, also nochmal etwas Lesestoff für euch, aber könnt ihr auch getrost überspringen, wenn euch doch nicht nach mehr Lesen ist.
Nach meiner Arabischklausur am Samstag bin ich also mit Natalie, Kayla und Jill nach Fès gefahren und haben dort noch einmal die Medina genossen, in der man sich, wenn man bereits ein paar mal da war, gleich viel wohler fühlt.

Berliner Feuerwehr in Fez... Schnuu?

Als die drei dann abgereist waren, hatte ich am Montag ein köstliches Mittag bestehend aus Harscha mit Käse, frisch gepressten Orangensaft noch einen frischen Bananensaft alles zusammen für 9 Dh. Oh Marokko! In der Stadt konnte ich natürlich nicht an den Autos der Berliner Feuerwehr vorbeilaufen. Kein Kommentar! ;)

Hajar's cute brother Hamza
Hajar and her brother

Am Nachmittag fuhr ich mit dem Zug nach Meknès und besuchte dort Hajar und es war für sie und ihre Familie kein Problem, einen westlichen Mann zu Hause einzuladen. Meine anderen marokkanischen Freunde aus Meknès waren leider aus verschiedenen Gründen nicht da :’( Aber mit ein paar Austauschstudenten verbrachten wir dann den Abend. Das war so ein bisschen wie in den Witzen à la “Ein Franzose, ein Amerikaner, ein Deutscher und ein Italiener treffen sich in Meknes…” naja, Pointe fehlte trotzdem :P

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Die Nacht im Hotel kostete mich 20 Dh plus 7 Dh für die Dusche am nächsten Morgen und war für den Preis überaus in Ordnung. Im Zug zurück nach Fès traf ich Lucy, eine Britin, die in Fès am Sprachzentrum lernte, noch einmal. Sie flog an dem Abend nicht zurück, sondern nahm lieber eine dreitägige Bustour, weil das schließlich besser für die Umwelt ist. Später war ich zur Familie meines Freundes Mhammed eingeladen und dort gab es noch ein letztes Mal richtig leckeres marokkanisches Essen.
Marokko endete dann am winzigen Flughafen in Fès, wo ich nachdem der Metalldetektor piepte, auf meine Gürtellasche zeigte und sofort weiter gelassen wurde. Das war ja einfach.

Safi bedeutet so viel wie: Es ist vorbei / Genug. Safi. Dieses Wort ist aber in so vielen Kontexten anwendbar und eines der praktischsten Wörter, die wir am Anfang lernten. Safi sagt man wenn man mit dem Essen fertig ist, bei der Essensausgabe genug auf dem Teller hat, möchte, dass das Taxi anhält, nervige Touristenführer abschütteln will, erschöpft ist oder einfach wenn etwas vorbei ist.
Marokko war eine Erfahrung, die mich geprägt hat, wie wohl keine andere. Es waren vier Monate einer fremden Kultur in einer gar nicht so fremden Umgebung, mit viel Arbeit und Stress aber auch vielen Reisen, unglaublichen Landschaften, Klimaten, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, Essen, das geschmacklich und hygienisch an der untersten Grenze des Erträglichen lag, für das man aber auch immer wieder durch fantastische Gaumenschmäuße entschädigt wurde, und nicht zuletzt vielen neu gewonnenen Freundschaften, von denen einige allen Anschein nach länger bestehen werden als nur dieses eine Semester.
Gelernt habe ich natürlich auch etwas und anscheinend sogar eine ganze Menge, wenn ich mir die Noten so ansehe, die ich gerade bekommen habe :) Das hätte ja praktisch kaum besser laufen können.

Und auch wenn ich euch hier schon ziemlich detailliert an meinem Leben habe teilhaben lassen, solltet ihr doch wissen, dass ich auch ein Leben außerhalb der Dokumentation im Blog mit vielen Hoch- aber auch einigen Tiefpunkten gab, das meine Erfahrung unvergesslich gemacht hat.

Damit endet der Blog vorerst. Falls ich mal wieder weit-weit-weg bin, lasse ich es euch wissen. Bis dahin bedanke ich mich fürs Lesen und die vielen netten Emails und Kommentare.

Frohe Weihnachten und meinen marokkanischen Freunden (die hier gelegentlich mit Google-Translator mitlesen) ein aid mubarak said!

Eine Reaktion zu “Safi”

  1. Maria

    hej hagen..
    mensch da bist du schon wieder in ‘deutscheland’:)
    bleibst du eigentlich noch ne weile in berlin? würde mich freuen dich mal wiederzusehen und vllt. auch ein wenig zu quatschen:)
    auch wenn ich nämlich noch nicht weiß was ich zu meinem geburtstag machen werde, bist du hiermit schon einmal herzlich eingeladen…

    herzlichste grüße noch aus dem hohen norden!
    /maria:o)

    ps: schön zu hören, dass es auch für dich auch eine unbeschreibliche erfahrung war ein halbes jahr im ausland zu verbringen und viele neue sachen zu entdecken und zu lernen..

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