Vielvielarbeit-Eintrag
Mehrfach hatte ich ja schon angedeutet, dass das universitäre System hier ein bisschen anders tickt: Anstatt auf Autonomie der Studenten zu setzen, wie das in Deutschland meist nach dem Motto «Wer nichts tut, wird (am Ende des Semesters) schon sehen wo er damit landet» praktiziert wird, werden hier die Studenten gedrillt und gezwungen zu arbeiten, zu lesen und überhaupt viele Hausaufgaben zu machen. Das ergibt dann einen Overworkload wie auch Blitz ihn schon beschrieben hat. Gutes Timemanagent ist dann Gold wert! In Deutschland geht man entweder zur Vorlesung oder liest ein Buch zum Thema. Hier muss man zur nächsten Stunde etwas im Buch lesen, schreibt ggf. einen kurzen Test über das Kapitel und hört in der Vorlesung nahezu den selben Inhalt nochmal. Und Anwesenheitspflicht gibts natürlich auch. Ich habe noch nie so viel für die Uni getan wie hier. Da ich nicht arbeite hab ich zwar auch mehr Zeit dafür, aber man muss oft genug Abstriche machen und Freizeit gegen Hausaufgaben eintauschen. Jüngst habe ich ja das schöne Spätsommeroktoberwochenende geopfert um mein Paper zu schreiben. Insgeheim hege ich ja die Vermutung, dass wir nur so viele Hausaufgaben bekommen, damit keiner merkt, wie langweilig Ifrane eigentlich ist
(und dann auf dumme Ideen käme, wie die Verletzung der Alkohol- und Drogen-Policy).
Die Marokkaner sind diesen Drill zwar gewohnt, aber wie mir ein Professor berichtet hat, sind sie bspw. während eines Auslandssemesters, wo sie nicht zum Arbeiten gezwungen werden, relativ aufgeschmissen, weil sie kaum selbstständiges Arbeiten lernen.
Ramadan geht diese Woche zu Ende und die fünftägigen aid al fitr Ferien beginnen am Freitag, wo ich aber erstmal die Rechnernetze-Wiederholungsklausur schreiben darf. Danach werde ich für ein paar Tage alle anstehenden Hausaufgaben, Papers und vor allem Klausuren vergessen (falls irgend möglich) und mich an einem bisher noch nicht näher definiertem Ort der marokkanischen Weltgeschichte aufhalten.

Update: Rechnernetzeklausur erfolgreich hinter mich gebracht. Heute abend gehts über Fès nach Marrakech um dann dort am Wochenende den Jebel Toubkal — den höchsten Berg Nordafrikas — zu besteigen.