Ca va? La bas?
Das ist zwar längst überfällig, aber da es nicht so viel neues zu berichten gibt (wird kälter, Herbst beginnt, ist schön; viel zu tun, Papers schreiben, Projekte für Kryptologie; Green-March-Ferien, aber wegen viel Arbeit und etwas krank leider kein Verreisen, ist aber auch mal gut) schreiben wir doch mal wieder über einige Besonderheiten hier.
Im Deutschen fragt man ja auch des öfteren »wie gehts« um ein Gespräch zu beginnen, hier ist das aber die allgemein übliche Begrüßungsform, entsprechend einem »Hi« oder »Hallo«. Austauschstudenten werden mit einem »How are you?« (oder gelegentlich wenn sich jemand etwas cooler fühlt mit einem »wazzup dude?« begrüßt). Und das bei so ziemlich jedem der einem über den Weg läuft. Manchmal schafft man es, wenn man Mittags nach dem Aufstehen an der Caféteria vorbei zum Unterricht läuft in 5 Minuten zwanzig oder gar mehr »How are you?«s zu hören. Antwort je nach Laune »I am fine, how are you?« oder »I’m good, thanks« oder einfach nicht antworten und Begrüßung erwiedern: »How are you?«.
Das rührt alles ein bisschen daher, dass die Franzosen mit dem »Ca va?« »Ca va.« angefangen haben. (Geht es? Es geht.) Die Marokkaner haben dann noch das »La bas?« »La bas.« (Nicht schlecht? Nicht schlecht.) und das »Kaifa haluki?« »Bikhair« manchmal auch »Bikhair?« »Bikhair.«. Ist ja alles ganz fein, lustig wirds aber wenn die Leute das kombinieren. Ich möcht nicht wissen was Maroc Telecom an Kohle verdient mit Gesprächen wie: »Salam, ca va, la bas, bikhair?« …
Einem »la bas« fügt man sehr gern noch ein »lhamdu lillah« (Gott sei Dank!) hinzu. Und manchmal verkürzt man dann die Antwort und es entstehen Gespräche die mich schmunzeln lassen: »Wie geht’s?« »Gott sei Dank!« (La bas? hamdulillah).
Das körperliche Begrüßungsritual ist hier das aus Frankreich bekannte Küsschen-Links-Küsschen-Rechts gegen das ich mich in München ja schon bereits immer gewehrt hatte, wo ich doch eher der Umarmen-Fraktion angehöre. Nun gut, der fremden Kultur muss man ja ein bisschen Respekt zollen und man gewöhnt sich ja auch dran, wobei sich inzwischen das Umarmen auch hier zu verbreiten scheint
Mit Kamil, die aus Paris kommt, habe ich mich dann mal über die Begrüßungsrituale unterhalten und auf die Frage, wie das denn in Deutschland vollzogen wird, habe ich dann erzählt, dass man sich, zumindest dort wo ich herkomme, meist umarmt, aber einige Leute in München auch la baise machen. Das ganze endete relativ peinlich (naja gut war auch lustig
), weil es eigentlich heißt faire la bise. Auch wenn baiser zwar küssen heißt, gilt das nicht für faire la baise was sich mit Sex haben ziemlich treffend übersetzen lässt. So begrüßen sich also die Münchener
Ein paar Leute hier sind ja auch ganz interessiert an der Deutschen Sprache und ich werde immer häufiger auf Deutsch begrüßt. Manche bevorzugen es aber Deutsche Schimpfwörter zu lernen (und die kennen viele, die sie nicht von mir haben!) und manchmal begrüßt mich dann jemand mit einem freundlichen »Arschloch, ich liebe dich wie ein guter Koch!«.
Am 6. November 2007 um 23:09 Uhr
Lieber Hagen, ich musste echt schmunzeln bei Deinem Bericht! Du schreibst echt witzig. Ich verfolge Deinen Blog fast täglich und schaue nach, was es so an Neuem gibt. Ich habe Walters und Hartmuts Marokkoaufenthalt schon “erlebt”, bevor die beiden überhaupt zurück waren. Walter war wirklich begeistert. Hat mich total gefreut, wie er seine Fotos gezeigt hat. Nur das erworbene Instrument habe ich leider noch nicht gesehen. Wie geht es Deinem Arabisch? Wächst es denn? Viel Zeit hast Du ja nicht mehr, um es noch zu praktizieren.
Hier ist es total kalt geworden, 5°C tagsüber und kaum noch Blätter an den Bäumen. Ich gehe jetzt ab und an mal wieder in die Sauna. Man muss ja seine Stimmung aufhellen, damit man vor lauter Lichtentzug nicht depressiv wird.
Ich freue mich, dass Du Weihnachten hier bist. Wie schön! Bis denne also. Mama
Am 6. November 2007 um 23:20 Uhr
Arabisch geht eher schleppend vor sich hin. Ich komm nicht gerade viel dazu es zu praktizieren, weil ich einfach so wenig sagen kann, dass ich um mich klar auszudrücken oder mein Gegenüber zu verstehen immer nach sehr kurzer Zeit ins französische oder englische wechsel.
Gerade mal 6 Wochen hab ich noch übrig und langsam realisieren wir alle, dass unsere Zeit abläuft. Wir sind alle schon ziemlich wehmütig deswegen, wenn auch auf der anderen Seite froh wieder nach Hause zu kommen.