Wähle deine Religion — wähle weise

Nachdem ich vor einiger Zeit in einem Artikel gelesen habe, wie traurig es doch ist, dass so ziemlich alle Menschen mehr Zeit mit [ich habe die erwähnte mutmaßlich sinnlose Tätigkeit vergessen] verbringen als mit der Wahl ihrer Religion, fühlte ich, dass es Zeit war, meinen Atheismus oder “Don’t Care”-ismus zu hinterfragen und mich auf die Suche nach einer passenden Religion zu begeben, nicht zuletzt auch, weil hier schließlich viel über Religion (hauptsächlich Islam) geredet wird.

Mein kultureller Hintergrund ist evangelisch, an sich ja keine schlechte Sache, mein Problem nur: ich glaube nicht an Gott (bzw. bin der Überzeugung, dass wenn es ihn gibt, er ein verdammt grausames Arschloch ist, der keine Verehrung verdient — und kommt mir jetzt nicht mit Wege unergründlich und so) und ich außerdem das Gefühl habe (das sich hier teils bestätigt), dass sich viele Christen mit den hohen moralischen Standards ihrer Religion schmücken, wenn es aber ans Eingemachte geht dann doch keine so hohen Ansprüche haben. Außerdem hat die Kirche so eine unglückliche Vergangenheit. Ergo: es muss doch besser gehen.

Was liegt in Marokko näher als sich mit dem Islam auseinanderzusetzen. Schon allein wegen der vielen unglaublich hübschen Mädchen, die in ihrer Religion alle außschließlich Moslems heiraten dürfen und Beziehungen ohne Heirat sind schließlich undenkbar (ganz so strikt sehen sie es dann doch nicht, aber der Grad an Offenheit variiert sehr stark). Auch wenn der Islam zwar einige gute Seiten hat, Unterdrückung von Frauen kann man trotzdem nicht bestreiten und um es kurz zu machen: zuu viele Regeln, Vorschriften etc pp. Das widerspricht meinen Auffassungen von Freiheit und ganz so viel Zeit möcht ich in meinem Leben auch nicht mit der Ausübung von Religion verbringen.

Nachdem ich also denke dass große Weltreligionen nichts für mich sind schaute ich mich also nach etwas ausgefallenerem um. Momentan bin ich Pastafari und gehöre der Kirche des fliegenden Spaghettimonsters an, einer Populärreligion, die mit ihrer alternativen Schöpfungstheorie (die Erde wurde von dem aus Hackfleischbällchen und Spaghetti bestehendem fliegenden undetektierbaren Spaghetti-Monster erschaffen) eigentlich eine Protestbewegung zum Intelligent Design war, aber sich nun erstaunlicher Beliebtheit erfreut. Wahrscheinlich kennen die meisten von euch die Religion ohnehin schon. Ich habe inzwischen sogar drei Leute (u.a. meinen Zimmergenossen, der ja eigentlich auch Atheist war) konvertiert. Das gute an der Religion:

  • die mögen Piraten :)
  • die Erklärung dafür dass die Schöpfung so total daneben ging ist unglaublich einfach: das FSM war am Tag als es die Erde schuf besoffen
  • Hinweise auf die Evolution wurdem vom FSM bewusst gestreut um unseren Glauben zu prüfen
  • im Himmel gibts Biervulkane
  • von den 10 in Steinplatten gemeißelten “I’d Really Rather You Didn’ts” die Captain Mosey auf dem Mount Salsa vom FSM in Empfang nahm sind nur noch acht übrig, aber diese “Regeln” sind bei weitem nicht so beschränkend und geben einem das Gefühl mehr oder weniger sinnvoll gewählt worden zu sein. So z.B.

    I’d really rather you didn’t build multi million-dollar churches/temples/mosques/shrines to my noodly goodness when the money could be better spent (take your pick):

    • Ending poverty
    • Curing diseases
    • Living in peace, loving with passion, and lowering the cost of cable

    I might be a complex-carbohydrate omniscient being, but I enjoy the simple things in life. I ought to know. I AM the creator.

Damit bin ich ja vorerst zurfrieden. Aber so richtig ernst ist die Sache dann ja doch nicht und früher oder später muss ich mich für etwas mit vielleicht doch etwas mehr religiösem Appeal entscheiden.

Eine weitere einfache Religion nennt sich im englischen Last Thursdayism. Die ist aber eigentlich keine Religion sondern mehr eine Schöpfungstheorie, die besagt, dass die Erde letzten Donnerstag mit allem drum und dran und Menschen und Erinnerungen erschaffen wurde. Find ich ein guter Ansatz, aber wer sagt mir, dass nicht doch Russel recht hatte und das alles statt letzten Donnerstag vor fünf Minuten passiert ist? So richtig was zum danach-leben gibts ja dann doch nicht, also her mit dem, was mich wohl früher oder später überzeugen muss:
Open-Source-Religionen versuchen die Idee von Freier Software auf eine Religion zu übertragen. Die Idee eines übermächtigen Gottes widerspricht nunmal dem grundlegenden demokratischen Verständnis unserer mehr oder minder modernen Gesellschaft und unergründlichen Wegen kann ich gerne auch in einer Diktatur vertrauen. Die Gemeinsamkeiten der Weltreligionen finden sich aber in den moralisch gesetzen Standards und ähnlichen Regelwerken, die seit geraumer Zeit stagnieren und den heutigen Bedingungen unangepasst gegenüberstehen. Genau an dem Punkt setzen Open-Source-Religionen an und erlauben eine ständige Weiterentwicklung des Glaubens durch die Mitglieder. Doch auch in diesen Open-Source-Religionen gibt es große Unterschiede. Einen ganz guten Überblick gibt dieser Artikel. Und bisher ist da das richtige für mich noch nicht dabei, trotzdem ich den Ansatz sehr begrüße.

Zuletzt möchte ich mich entschuldigen, falls ich hier jemandes Gefühle verletzt habe und betonen, dass ich ein manchmal zu leicht zu begeisternder nicht-theologisch ausgebildeter Open-Source-Verfechter und vor allem Informatiker bin :) der sich im Zweifelsfall aber auch gern von guten Argumenten überzeugen lässt.

RAmen

3 Reaktionen zu “Wähle deine Religion — wähle weise”

  1. blitz

    hier gibts noch den Buddhismus, auch nicht zu verachten;(

  2. Hannes

    Hi Hagen, ich bewundere deinen Versuch dich in deinem eigenen Blog als Troll zu betätigen. Aber trotz deiner abwieglerischen Versuchen muss ich schärfstens protestieren: Jede Form des Christentums und die Religion des fliegenden Spaghettimonsters sind zu unterstützen und schaffen, auf einer Metaebene verbunden, das erstrebenswerte Jenseits. Islam und andere OpenSource-Sekten sind hingegen doof! Du wusstest es natürlich und wolltest uns nur testen. ;)

  3. Hagen

    Ja du hast recht, leider ging die Strategie kaum auf ;)
    Aber ist denn das Jenseits wirklich so erstrebenswert?
    Oh ich vergaß: Biervulkane. :D
    Nein ganz im ernst, ich frag mich viel zu häufig, was ich hier mache und wozu überhaupt, warum plagt Gott uns mit philosophischen Gedanken und wie kann ich mein Leben am sinnvollsten verschwenden.
    Religion wär irgendwie schon ein verlockender Ausweg aus dem ganzen Dilemma.

    Ein inzwischen nach Amerika zurückgekehrt Austauschstudent asiatischer Abstammung verehrt die Sonne bzw alle energiespenden Objekte. Auch eine sehr interessante Ansicht.

    Am Ende kommen wir ohnehin die meisten Menschen in die Hölle, weil sie an den falschen Gott geglaubt haben. Muss da unten ein ganz schönes bürokratisches Chaos geben, möcht nicht wissen was da an Höllensteuern für die Verwaltungskosten drauf geht oder beteiligt sich der Himmel daran? Immerhin wird ihm somit der ganze Abschaum vom Leib gehalten.
    Ich schwafel schon wieder Schwachsinn sorry.

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