Al-Hociema
Mit leichter Wehmut verlasse ich meine Freunde in Oujda und mache mich in nordwestlicher Richtung auf den Weg zum Mittelmeer. Meine Pläne geraten langsam etwas durcheinander, denn eigentlich wollte ich bereits Samstag Nachmittag in Chefchaouen ankommen, doch nun begebe ich mich erst Samstag Mittag auf den Weg nach Al-Houciema. 60 Dirham kostet die sechseinhalbstündige Fahrt, doch bekommen tut man für den Preis weit mehr. Marokko ist nicht mehr rotbraun, staubig und vertrocknet, wie das bei meiner Ankunft nach dem letzten Sommer der Fall war. Nein, das Land blüht förmlich. Immer wieder grüne Wiesen, zwischendurch Blumenfelder und Orangenhaine bei deren Anblick mir das Wasser im Mund zusammen läuft. Faszinierende überirdische Wasserleitungssysteme folgen den Straßenläufen und immer wieder überquert der Bus einen um diese Jahreszeit schon meist trockenen Wadi. Wadi ist übrigens das einzige arabische Wort, das ich kenne, das sich auch im deutschen Sprachgebrauch wiederfindet (Falaffel und Schawarma zählen nicht). Im nur wenige Kilometer südlich der spanischen Provinz Melilla gelegenem Nador macht der Bus eine halbe Stunde Pause und ich nutze die Gelegenheit um mir den verschmutzten, unattraktiven, staubigen Steinstrand anzusehen. Ein einzelner Fischreiher stolziert unmotiviert durchs Wasser und ich kann ihm seine trotzige Haltung in diesem Moment vollkommen nachempfinden.
Der nächste Teil der Strecke ist einfach großartig und ich müsste mir selbst böse sein, wenn ich nicht diesen Abstecher zur Mittelmeerküste gemacht hätte, denn die seit letzter Begutachtung durch den LonelyPlanet offensichtlich erneuerte Straße führt serpentinenhaft an der gebirgigen Küste entlang. Immer wieder unterbrechen canionartige Flussbette den Landschaftsverlauf und die Farbkombinationen aus der rötlich glühenden Erde, den grün leuchtenden Pflanzen und dem blau, ja gelegentlich karibisch-türkisem Mittelmeer sind ein Augenschmaus, an dem man sich nicht sattsehen kann.
Erst am nächsten Morgen bekomme ich im Sonnenlicht die eigentliche Pracht Hociemas zu sehen. Die felsigen Ausläufe des Rif-Gebirges lassen hier in der Bucht einen kleinen Freiraum für Strand und Weitweitweggefühl. Es sind perfekte 26°C und das von der erfrischend eisigen Kälte an die Ostsee erinnernde Wasser lädt nur mich und vom Fussballspielen versandete Jungen der Stadt zum Baden ein. Um eins fährt der Bus nach Chefchaouen los und auch wenn ich vielleicht noch etwas länger den hier kurz vor Frühlingsanfang perfekten Sommer genossen hätte, ruft einmal mehr das Abenteuer.
Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich die Augen aus Angst vor den tiefen Abgründen, den scharfen Kurven auf den schmalen Straßen und dem selbstmörderischem Fahrstil schließe oder lieber jede Sekunde dieser einzigartigen von unendlichen Tälern durchzogene Gebirgslandschaft in mich aufsauge. Letztendlich entscheide ich mich die meiste Zeit für letzteres, denn die landschaftliche Vielfalt, die von kleinen Seen, bunten Feldern über grasige Bergterassen bis hin zu Nadelwäldern und einem schneebedecktem 2500er-Gipfel reicht, ist einfach zu gewaltig. Nur das beständig kräftige Hinundher des Busses und der gelegentliche Anblick zerstoßener Leitplanken, aber vielleicht auch das Sandwich von heute Mittag, verursachen ein unangenehmes Gefühl im Magen.
Am 19. März 2008 um 12:54 Uhr
Wenn ich Deine Fotos betrachte und Deine Berichte lese, dann hab ich unendliches Fernweh. Und ich merke einmal mehr: Ich muss hier weg! Im Augenblick scheint es überall (jedenfalls südlich! von Deutschland) schöner zu sein als hier. Ich glaub, ich würde sogar in die Antarktis fahren, allein der Farben wegen. Aber da fehlte mir die Wärme. Leider kann man nicht immer alles haben, wonach einem so ist. Deshalb träume ich weiter bei Bongo-Flava-Mucke aus Tanzania von der großen weiten Welt. Bis zum nächsten großen Weitweitweg-Trip.
Am 21. März 2008 um 16:57 Uhr
“Weinachten im Klee, Ostern im Schnee!”
Genau das trift dieses Jahr für Deutschland zu.
Wir wünschen Dir ein frohes Osterfest, wie immer es auch dort gefeiert wird, wo Du gerade bist!
Am 11. Juni 2008 um 20:03 Uhr
al hoceima ist ja vor der haus tür,.von frankfurt sind es 2 stunden flug,,.finde die marokkanische mittelmeerküste ist die schönste im ganzen mittelmeer raum,,,.die schönheit von al hoceima ist ein zuckerbissen,..