Level 2: Rabat

Langsam begreife ich diesen Urlaub als spannendes Rollenspiel. Man bewegt sich in einer vertrauten, doch fremden Welt, spricht mit bestimmten Leuten und bekommt viele neue Entdeckungsoptionen. Eine Eisenbahnfahrt ist gratis Sprachunterricht und die Marokkaner können – einmal im Gespräch – stundenlang über Gott und die Welt reden. Warum muss dann aber eigentlich immer ich derjenige sein, der das Eis bricht und ein Gespräch beginnt? In Rabat ist es jedenfalls warm, die Wellen am Strand sind gewaltig, aber am Meer ist es dann doch verdammt kühl, neblig und salzig, was junge marokkanische Pärchen aber keineswegs daran hindert sich dort – von der Öffentlichkeit etwas abgeschieden – mit Dingen zu beschäftigen, die absolut hraam (unangemessen, verboten, unanständig) sind. Mitten in der Medina treffen wir zu unser aller Überraschung auf einen bereits wieder in Amerika geglaubten Freund aus dem letzten Semester und merken einmal mehr, wie klein Marokko doch ist. Der coolste Ort in Rabat ist ein Café des deutschen Goethe-Instituts, denn dort gibt es Bier und die angeblich beste Pizza der Stadt. Ein paar mehr oder weniger große Brocken Deutsch bringt jeder zu Tage, was ich überaus amüsant finde. Abends um zehn beginnt dann eine neun-stündige Zugfahrt ins östliche Oujda an der algerischen Grenze.

Eine Reaktion zu “Level 2: Rabat”

  1. frimarz

    Wir können es gar nicht erwarten, aber in 27 Tagen sind wir auch in Marokko und werden uns dann an einige Episoden Deines Berichtes erinnern.
    Noch schöne Tage, ehe der Ernst des Lebens wieder beginnt. Herzliche Grüße aus Berlin, das immer noch von der BVG genervt wird.

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